Bewerbungsrede beim Listenparteitag Baden-Württemberg

Am 11. April 2021 habe ich meine Rede für einen Listenplatz zwischen 31 und 39 auf dem Listenparteitag der Grünen Baden-Württemberg gehalten. Am Ende wurde ich mit 136 von 201 Stimmen auf Platz 33 gewählt!
In der kommenden Woche werde ich noch einen Beitrag zur Liste und meiner Einschätzung dazu veröffentlichen.
Hier kannst du meine Rede anschauen:

Liebe Freundinnen und Freunde,

Wenn Solarzellen doppelt so viel Energie erzeugen könnten, wäre das nicht cool? Ich bin Physikstudentin und arbeite genau daran in meiner Forschung.

Mein Name ist Sara, ich bin 24 Jahre alt und ich verbinde Naturwissenschaft und Politik. Dafür möchte ich Bundestagsabgeordnete werden.

Vor zwei Jahren wurde ich in den Gemeinderat in Rottenburg gewählt. Dort merke ich jedoch, dass ich mich jetzt auf Bundesebene für meine Themen einsetzen will. Daher kandidiere ich im Wahlkreis Calw/Freudenstadt als Direktkandidatin für die Bundestagswahl. Damit trete ich als junge Frau in einem der ländlichsten Wahlkreise Baden-Württembergs an. Gleichzeitig ist dieser Wahlkreis auch einer der konservativsten. Bei der Landtagswahl haben sowohl CDU als auch AfD jeweils zwei Landtagsmandate errungen. Und wir Grünen hatten hier noch NIE ein Bundestags- oder Landtagsmandat! Diesem Konservatismus will ich eine junggrüne Stimme entgegensetzen. Ich verbinde progressive Themen mit dem ländlichen Raum!

Jetzt möchte ich euch meine beiden Herzensthemen vorstellen: internationale CO2-Preise und Zufallsbürger*innenräte.

Um die Klimakrise aufzuhalten brauchen wir ein System, das nachhaltig und zukunftsfähig ist und das Klimaschutz im großen Stil umsetzt. Natürlich ist die Energiewende ein wichtiges Thema für mich. Schließlich forsche ich an Solarzellenmaterialien. Und mein Ziel ist es, dass Deutschland möglichst schnell klimaneutral wird. Gleichzeitig sollten wir aber die globalen Zusammenhänge im Blick behalten. Wenn ein Haus in Flammen steht, rückt auch nicht nur eine Person, sondern die ganze Feuerwehr an.Wenn wir den Klimawandel aufhalten wollen, dürfen wir nicht innerhalb unserer Ländergrenzen bleiben. Ich will größer denken.

Stellt euch folgendes vor: ich sitze in der Uni und arbeite an meinem Computer. Ein Kollege kommt vorbei und stolpert, und sein Kaffee läuft auf meine Tastatur. Jetzt muss er für den finanziellen Schaden aufkommen. Dieses Prinzip findet fast überall in unserem Alltag Anwendung. Erstaunlicherweise scheint es jedoch beim CO2-Ausstoß nur eingeschränkt zu gelten. Eine Lösung wäre ein internationales System, in das immer eingezahlt wird, wenn irgendwo CO2 verbraucht wird.

Was passiert dann mit dem Geld, das durch den CO2-Preis zusammenkommt? Dafür gibt es zwei recht unterschiedliche Möglichkeiten. Die erste wäre die folgende: alles Geld, das in einem Land zusammenkommt, bleibt auch in dem jeweiligen Land. Dort wird es in Klimaschutzmaßnahmen gesteckt oder an die Einwohner*innen zurückverteilt.
Alternativ könnte man aber auch weiterdenken. Ein zweites Prinzip ist mir total wichtig: Die Atmosphäre gehört allen Menschen zu gleichem Anteil. Das Geld aus der CO2-Bepreisung könnte also auf die Länder anteilig zu den Einwohner*innen aufgeteilt werden. Dort muss das Geld dann ebenfalls in Klimaschutzmaßnahmen fließen. So können wir nicht nur mehr Länder von dem System überzeugen. Ich finde es wichtig, die globale Dimension nicht aus den Augen zu verlieren. Die Erzählung, Entwicklungsländer bräuchten unsere Hilfe, ist eine Geschichte der Almosen. Sie haben ein Recht darauf, ihren Lebensstandard zu erhöhen. Mit dem System erkennt man dies an. In der Folge könnten arme, aber einwohner*innenreiche Länder ihre Industrie direkt klimafreundlich auf- oder umbauen. Sie könnten ihre Entwicklung selbst in die Hand nehmen.
Lasst uns nicht zurückweichen, sondern mutig ins Gespräch mit anderen Ländern gehen. Ich verbinde globale Gerechtigkeit und Klimaschutz!

Mutig müssen wir auch sein, wenn es um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft geht. Ihr alle wisst, dass sich der Umgangston in den letzten Jahren deutlich gewandelt hat. Das merke ich beispielsweise bei Gesprächen an Infoständen in meinem Wahlkreis. Außerdem erzählen mir dort Bürger*innen häufig, dass ihr Vertrauen in die Politik sinkt und sie sich nicht wahrgenommen fühlen. Sie sind enttäuscht, wenn politische Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden.

Ich finde, es wird dringend Zeit für einen stärkeren Einsatz von Zufallsbürger*innenräten auf Bundesebene. Dieser Prozess bringt verschiedene Menschen ins Gespräch. In der gemeinsamen Diskussion entstehen gute Ideen. Menschen können direkter auf den politischen Entscheidungsprozess Einfluss nehmen. Die Beschlüsse des Rates gelten als Empfehlung an das Parlament und dieses muss sich rechtfertigen, wenn es Teile davon nicht umsetzt.

Erst vor kurzem hat der Zufallsrat zum Thema „Deutschlands Rolle in der Welt“ seine Empfehlungen dem Parlament vorgelegt. Für die Zusammensetzung wurden 4000 Menschen zufällig ausgewählt. Von denen, die sich zurückgemeldet haben, wurde eine zweite Auswahl getroffen. Hier wurde beispielsweise darauf geachtet, die Hälfte des Rates mit Frauen zu besetzen, einen passenden Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund und sowohl Menschen aus der Stadt als auch aus ländlichen Regionen auszuwählen. So konnte der Rat viel diverser als das Parlament zusammengesetzt werden und repräsentiert die Gesellschaft daher deutlich besser. Man könnte sagen, der Rat ist eine Art Mini-Deutschland.

Die Klimakrise ist sehr komplex und viele Menschen kritisieren die Beschlüsse der Politik. Hier bietet sich ein Zufallsrat geradezu an. Frankreich und Irland haben das bereits erfolgreich durchgeführt. Mit den Beschlüssen eines Zufallsrats im Rücken können Klimaschutzmaßnahmen deutlich schneller umgesetzt werden. Wenn wir mehr Bürger*innen beteiligen, haben die Maßnahmen eine höhere Akzeptanz. Ich verbinde Zufallsbürger*innenräte und konsequenten Klimaschutz!

Ihr merkt, dass mir auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Themen am Herzen liegen. Und gleichzeitig ist es an der Zeit, Dinge nicht mehr im Gegensatz zu sehen, sondern im Zusammenspiel. Meine Solarzellen produzieren die doppelte Energie – und ich verspreche euch: auch ich gebe im Bundestag 200 %.

Für einen internationalen CO2-Preis, für einen Klimabürger*innenrat, für mehr grüne Physikerinnen im Bundestag bitte ich heute um euer Vertrauen.
Lasst uns den schwarzen Wald grüner machen!

Vielen Dank.

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